Text von Doris Dreiaugen (13.09.2020)

Webinar 10 Impulse zu Prosa 2

Zweisprachiges Schreiben

Eine beschwerliche Reise

Es waren einmal drei gute Freunde, die alle zur Familie der Nagetiere gehörten. Das murmelnde Erdmännchen namens Murmele, das schläfrige Siebenschläfertier namens Schlummerle und das unbewegliche Eichhörnchen namens Starrele. Sie verstanden sich sehr gut, doch waren sie allesamt recht eigentümliche Gesellen und jeder von ihnen brauchte viel Zeit für sich. Murmele zum Beispiel wollte sich immer um seine selbst gebastelte Murmelachterbahn kümmern und daran feilen, was seine Freunde nicht interessierte. Schlummerle hingegen züchtete für sein Leben gerne haarige Kakteen, die sehr kuschelig und flauschig waren und denen das kauzige Schlummerle stundenlange Schlaflieder vorsang, bei denen es selbst einschlief. Starrele hingegen sammelte für sein Leben gern Eicheln und zeigte seine Sammlung ganz stolz seinen Freunden, die das langweilig fanden. Da die drei Freunde so verschieden waren, hatten Murmele und Starrele auch ihre Zweifel, als der schläfrige Siebenschläfer gemeinsam mit seinen Freunden seinen Cousin, den sparsamen Biber Klemmsele und seine energische Biberfrau Strengele besuchen wollte. Denn das schläfrige Siebenschläfertier war gerade aus seinem Winterschlaf erwacht und wollte ein Abenteuer erleben. Schlummerle hatte einen ganz speziellen Schlafrhythmus. Im Gegensatz zu anderen Siebenschläfern legte es sich bereits im August zum Winterschlaf schlafen und wachte dann pünktlich im Februar wieder auf, wenn Murmele bitterlich in seinen selbstgestrickten Kleidern zitterte und Starrele verbissen an seinen Eicheln knabberte. „Ich habe meinen Cousin Klemmsele so lange nicht mehr gesehen!“, erklärte Schlummerle, noch ziemlich verschlafen, „ich habe gehört, er hat seinen Damm erweitert und ich möchte mir das doch gerne ansehen.“

Murmele war strikt dagegen, er wollte auf keinen Fall den Murmelwettbewerb verpassen und er konnte sich gut vorstellen, dass es bei Schlummerles Spaziertempo gewiss wieder August war, bis sie bei dem Biber ankommen würden. Er räusperte sich und sagte vorsichtig: „Nein, Schlummerle ich habe leider keine Zeit.“ Doch weil er so undeutlich und leise vor sich hin murmelte, verstanden Schlummerle und Starrele „Fein, Schlummerle, ich bin auf jeden Fall bereit.“ Das freute das Schlummerle und es wieselte langsam in seinen Bau um seine Koffer zu packen. Starrele war zu sehr in seine Eicheln vertieft gewesen und hatte nicht zugehört. Doch als dann wenige Stunden später das Murmele mit einem Rucksack voller Murmeln und das Schlummele mit einem gewaltigen Koffer voller Bettzeug und haarigen Kakteen vor seiner Baumhöhle standen, da war Starrele doch ziemlich verärgert. Eine Reise machen, was fiel ihnen ein? Starrele würde all seine Eicheln zurück lassen müssen und ohne Eicheln konnte man nicht leben! Starrele versuchte dem Schlummerle voller Verzweiflung von seiner Not zu berichten, doch das Schlummerle hatte sich seinen Plan nun fest in den Kopf gesetzt und war nicht mehr davon abzubringen. So musste Starrele in aller Eile all seine vielen geheimen Verstecke absuchen und seine geliebten Eicheln wieder ausgraben und in einen großen Sack stecken.

Es war fast schon der nächste Tag angebrochen, als die drei Freunde endlich aufbrachen. Schlummerle und Starrele kamen nur sehr langsam voran, weil sie beide so viel Gepäck hatten und weil Schlummerle immer wieder am Wegesrand einschlummerte und Starrele so starr und unbeweglich war. Das flinke Erdmännchen Murmele hingegen war ganz nervös von dem langsamen Tempo seiner Freunde. Der Cousin von Schlummerle wohnte nicht weit weg, Murmele hätte seinen Damm an einem einzigen Tag erreichen können. Aber so langsam wie seine Kameradinnen waren, würden sie wohl Tage, wenn nicht Wochen oder Monate unterwegs sein. Zudem blieben sie alle paar Stunden stehen, da Starrele sich ständig nach neuen Eicheln umschauen wollte. Murmele wurde ganz verdrießlich. Würde er nur deutlicher sprechen, hätten sie nicht diese Reise machen müssen und wären seine Kameradinnen nur halb so schnell wie er, hätte er genug Zeit gehabt, doch noch zu dem Murmelwettbewerb zu gehen. So aber konnte er es vergessen. Da das Murmele immer allein voraus ging, hatte es viel Zeit zum Nachdenken und es beschloss, an sich zu arbeiten. Heimlich stahl es dem Starrele, als es gerade nicht hinschaute, eine Eichel und huschte damit davon. Diese Eichel klemmte es sich zwischen die Zähne und machte Sprech- und Gesangsübungen. „Zwiebelfrische Zwiebelfische fliegen friedlich zwischen Büsche.“, wiederholte das Murmele Tag für Tag, Stunde um Stunde, in der Hoffnung, eines Tages so deutlich zu sprechen, dass es nie wieder so eine Reise machen musste.

Doweil isch ihn obo ebm leido et augfolln dass es Starrele dowährnd schun gimerkt hot dass oana fa di Oachl fahlt. Se hot sie logisch volle kanne augireg und sie isch umgidrahnt um di volorene Oachl zi suichn. Es Schlummerle isch grot sem ingschlofn wo es Starrele weggong isch. Also hot es Schlummerle sich gidenkt es gett gscheida a wido zrugg um seina Kollegin zi suichn. Noa hot es Murmele obo gimerkt dass seina boadn Kolleginnen olba in gonzn long Weg wido zrugg gion stott weita Richtung Cousin. Es Murmele isch also zrugg girennt, hot es Schlummerle pugganagga gitrogn und es Starrele gsuicht. Weil er olba söffl guit mit do Oachl im Maul deitlich redn giübt hot, hot as noa endlich dorichtn amo so richtig mitn Starrele zi mauln worum se so bled wor in gonzn Weg wido zrugg zi gion. Doweil isch ihm obo et augfoll dass a di Oachl de a in Starrele gflaucht hot, olba no im Maul kop hot. Sel hot es Starrele logisch unmeglich sierig gimocht wie er dozui kimmp oana fa di Oachl zi nemm uhne zi frogn. „Wos war en giweddn wenn i doweil vohungot warat, an sel hosch du logisch et gidenkt dass i di Oachl zin ibolebm brauch!“

„Niemend intressiert sich fir deine fadn Oachln. Wos folltn dir ein, oanfoch umzukehrn währnd dass i schlof?“, mault es Schlummerle.

„Wos follt en dir in, olm la zi schlofn!“, mault es Murmele.

„Sel wert woll nou mei guates Recht sein!“, reg sich es Schlummerle au.

Obwohl se sischt olba guita Kollegn giwessn sein hommse itz afoamo soffl gstrietn wie dovor no nio. Es hot sogor aso ausgschaug als warat die Freindschoft bold vorbei, söffl schlimm ischs giwessn. Obo noa ischs inangaling Nocht giwordn und sie hom a Höhle zin übonochtn suichn gimisst .

In negstn Tog hommse gsegn dass afoamo do gonze Weg fa a Mure vosperrt wor. Weil es in do Nocht soffl giregnt hot, hots di gonze Eade oa gschwänzt. Do wor itz schwar vobei zi kemm. Wos sollatn se itz la tion? Sie missatn an steiln Roan augn steign um weitazikemm. Es Starrele wor zwor eigentlich a Oachakatzl obo leido ebm hot sie ibohaup et guit kletton gikennt. Madoia hom se sich gidenkt, wos tat man en do am bestn? Zin Glick hot obo es Schlummerle di gonzn hoorign Kaktusse miete kop. Sischt wars eppa bled gong fi de drei Viechlan. Aus di sem hommse noa an Klettosteig gibaut, wo sich jedo gikennt hot hebm ohne sich wea zi tion und oggn zi foll. Do worn di zwoa Kollegn volle kanne stolz afs Schlummerle und nimma soffl docazzt ibon streit fa geston.

Sie sein also a Weilile weita gong noa kimmp afoamo a Boch. Und es hot koa Brugge ma gebbm weil di sel ba di Üboschwemmungen weckgeschwemmp wordn isch. Noa wos tanat man? Koando fa de drei Viechlan hot söffl weit hupfn gikennt um af di ondore Seite zi kemm. Zin Glick obo wor es Starrele so starre wie a Brett noa hom die Kollegn ihra Oachakatzlkollegin als Boot vowendn gikennt um af di ondre Seite zi kemm. Hom natürlich voll a freide kop, wie sies dorichtn hom und es Oachakatzl nomens Starrele wor gonz stolz af sich.

Oa Problem wor obbo leido no olba net gilöst und zwor dass se soffl teiglisch longsam worn. Jedn Tog hommse la oan Kilometo gschofft. Dio cane ba der geschwindigkeit gett sich des nio aus dass se rechtzeitig zrugg sein dass es Murmele no zum Murmelbahnwettbewerb gion kennat. Do Murmele wor gonz docazzt deswegn. Noa hot a obo afamo a idee kop.

Er nahm den Rucksack mit den Murmeln ab und baute mit Ästen, Lehm und Steinen einen seltsamen Apparat, während Schlummerle schlief und Starrele nach Eicheln suchte. Als Schlummerle aufwachte und Starrele zurück kam, da staunten sie nicht schlecht. Aus den Murmeln hatte Murmele ein fahrbares Gefährt gemacht, mit dem die drei Freunde in Windeseile zu Schlummerles Cousin Klemmele rollen konnten. Nun war all der Ärger vergessen und die drei Freunde waren sehr froh, dass sie so verschieden waren, denn so konnten sie sich mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten ergänzen. Besonders froh war aber das Murmele, das nun doch noch zu dem Murmelwettbewerb gehen konnte. Ende.

Veröffentlicht von rausgeschriebenadmin

Mag.a phil. Rebecca Heinrich, BA erhielt 2020 ein projektbezogenes Arbeitsstipendium des Landes Tirol, um "Rausgeschrieben – Das Tiroler Online-Literaturforum" zu realisieren. Für mehr Informationen zu Rebecca Heinrich siehe http://www.rebecca-heinrich.com/

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